Journalismus und Traumata
Muss das sein, ein ganzes Zentrum, das sich der Pflege traumatisierter Journalisten widmet? "Das klingt ja sehr skeptisch. Aber diese Haltung bin ich gewohnt." Roger Simpson, Direktor des "Dart Center for Journalism and Trauma" an der Universität von Washington in Seattle, hat Pionierarbeit geleistet.
Seit fast zehn Jahren beschäftigt er sich mit dem Journalismus und Trauma, vor drei Jahren hat er von der Dart Foundation Geld bekommen, sich in seinem Fachbereich Journalistik gezielt damit zu befassen. Sein in den U.S.A. einzigartiges Zentrum bietet Ressourcen, Recherchehilfen, Seminare, Vorträge und Publikationen, aber keine psychotherapeutische Betreuung - wohl aber Vermittlung in solche.

Angefangen hat alles damit, dass er auf die Frage von Studenten nach dem Umgang mit traumatisierten Opfern keine gute Antwort wusste. Wie behandele ich als Journalist Frauen, die von ihren Männern geschlagen werden, Vergewaltigungsopfer, Brand-opfer? Er begann, mit Therapeuten und Beratungsstellen zu reden und das Wissen in seine Unterrichtsstunden einfließen zu lassen. Und je mehr daraus eine strukturierte Lektion wurde, mit der er auch in Redaktionen ging, desto klarer wurde ihm, dass auch Journalisten selber, die in traumatischen Situationen arbeiten, nicht ganz ohne Schäden davon kommen. Aber die Akzeptanz unter Journalisten war gering. "Vielleicht liegt es an den Charakteren, die in den Journalismus gehen. Die wollen tough sein und weisen jeglichen emotionalen Schaden zurück. Vor ein paar Jahren jedenfalls war die Abwehr groß, sich selber als Opfer der Umstände zu sehen."